{"id":56,"date":"2010-10-05T11:31:12","date_gmt":"2010-10-05T09:31:12","guid":{"rendered":"http:\/\/web.leinders.de\/"},"modified":"2011-06-22T14:45:16","modified_gmt":"2011-06-22T12:45:16","slug":"computer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.leinders.de\/harald\/computer\/","title":{"rendered":"Computer"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe mich einen gro\u00dfen Teil meines Lebens mit Rechnern besch\u00e4ftigt, und das nach meinem Studium dann folgerichtig auch zu meinem Beruf gemacht. Wichtig ist dabei, dass mir dies auch immer noch Spa\u00df macht. Ich bin der festen \u00dcberzeugung, dass Computer von ihrer charakterlichen Grundausrichtung her schlichtweg \u201ezickig\u201c sind. Die Herausforderung ist dann, sie trotzdem zur Zusammenarbeit zu \u00fcberreden. \ud83d\ude42<\/p>\n<p><a class=\"boxersandswipers\" title=\"appleiiplusac\" href=\"https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/appleiiplusac.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-58\" title=\"appleiiplusac\" src=\"https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/appleiiplusac-300x282.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"282\" srcset=\"https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/appleiiplusac-300x282.jpg 300w, https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/appleiiplusac.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a>Meinen ersten Computer habe ich 1982 bekommen, da war ich 16. Nat\u00fcrlich nicht neu, so etwas konnte sich niemand leisten. Es war ein gebrauchter <strong>Apple ][ Plus<\/strong>. Kenner wissen, dass bei dem &#8222;Plus&#8220; das Wort &#8222;Euro&#8220; fehlt, was bedeutet, es handelte sich um das amerikanische Modell. Die erste Amtshandlung war also, sich einen Trafo zu besorgen, der aus den europ\u00e4ischen 220 Volt amerikanische 110 Volt macht.<\/p>\n<p>Der damals mitgelieferte Monitor war nach heutigen Standards grauenhaft. Klein, verschwommen und das Bild waberte die ganze Zeit mit leichten vertikalen Wellenbewegungen. Naja, das hat damals niemanden gest\u00f6rt. F\u00fcr stolze DM 330,- bekam ich ein Jahr sp\u00e4ter einen Phillips-Monitor mit der ber\u00fchmten gr\u00fcnen Schrift auf schwarzem Hintergrund&#8230; meine Shells sehen heute noch so aus. \ud83d\ude09 Das 5\u00a0\u00bc&#8220; &#8211; Laufwerk war \u00fcbrigens schon etwas besonderes &#8211; der Standard war damals \u001eschlie\u00dflich \u201eDatasette\u201c! Daher kostete das Teil auch stolze DM 900,-, was mich komplette 6 Wochen Sommerferien auf dem Bau gekostet hat. Ausserdem hie\u00dfen die damals noch \u001e\u201eShugart-Drive\u201c.<\/p>\n<p>Die Rahmendaten dieses Ger\u00e4ts waren beeindruckend: Ganze 48K RAM (mit der Language-Card auf 64K erweitert), 16 K ROM und eine mit sagenhaften 1MHz getaktete 6502 MOS-CPU. Gut, wahrscheinlich kann heutzutage ein Feuerzeug mehr, aber damals hatten Computer noch etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches. Es gab kein Internet (eigentlich gar kein Netz), Software bekam man allenfalls zuf\u00e4llig, und wenn man etwas haben wollte, hie\u00df es: Selber programmieren. Bei 16K ROM hatte man auch noch die Chance, alle Einsprungpunkte ins Betriebssystem (was hier \u201eMonitor\u201c hie\u00df) zu kennen. Daher hat man neben dem eingebauten Basic auch noch Assembler benutzt &#8211; was heutzutage wirklich niemand mehr macht (oder kann \ud83d\ude09 ).<\/p>\n<p>Auch wenn der Apple ][ aus heutiger Sicht sehr antiquiert wirkt &#8211; damals war es State-of-the-Art, und weil mal so viel selber machen musste (teilweise mit dem L\u00f6tkolben), hat man viel davon begriffen, wie ein Rechner funktioniert.<\/p>\n<p>Der Apple hat mich noch bis ins Studium begleitet, und eine Geradenanpassung oder kleine Statistiken f\u00fcr das Anf\u00e4ngerpraktikum waren schnell programmiert. Allerdings war die Uni (jedenfalls das II. Phys. Inst.) mit anderen Rechnern von Atari ausgestattet. Daher habe ich mich dann nach 8 Jahren dazu durch gerungen, die Plattform zu wechseln. Dazu kam, dass aktuelle Mac&#8217;s (damals war die Zeit des Macintosh) nicht wirklich bezahlbar waren. Also habe ich mir einen <strong>Atari 1040 ST<\/strong> zugelegt.<\/p>\n<p><a class=\"boxersandswipers\" title=\"AtariSTF1040\" href=\"https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/AtariSTF1040.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-64\" title=\"AtariSTF1040\" src=\"https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/AtariSTF1040-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/AtariSTF1040-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/AtariSTF1040.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a>Der Atari hat zu seiner Zeit Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt. Es war einer der ersten Rechner, die konsequent mit einer grafischen Benutzeroberfl\u00e4che gearbeitet haben (GEM). Zu Anfang f\u00fchlte ich mich daher sehr verloren, ich habe die ganze Zeit gesucht, wo ich denn jetzt Befehle eintippen k\u00f6nnte&#8230; die Maus war mir wesensfremd. \ud83d\ude42 Klasse war daran aber, dass das gesamte Betriebssystem (TOS), inklusive der Benutzeroberfl\u00e4che, im ROM eingebaut war. Einschalten &#8211; fertig. Da musste nichts booten. Nachteil war nat\u00fcrlich, dass ein TOS-Upgrade (erst auf TOS 1.02, dann auf TOS 1.04) mit Wechseln von EEPROMS gemacht werden musste. Das gleiche galt f\u00fcr Speichererweiterungen. Aber einen L\u00f6tkolben hatte ich ja bereits. \ud83d\ude42 Ansonsten war das Ger\u00e4t auf der H\u00f6he seiner Zeit: Eine Motorola-68000 CPU, 1MB RAM und eingebaute Interfaces f\u00fcr Parallelport, RS232 und MIDI. Geschrieben wurde mit Signum oder 1stWord, Programmiert mit Omikron- oder GFA-Basic &#8211; echte Software-Legenden. Auch Assembler machte hier viel mehr Spa\u00df &#8211; nachdem man auf dem Apple mit Akkumulator, X- und Y-Register auskommen musste, hatte man hier auf einmal 8 Daten- und 8 Adressregister in 16 und 32 Bit Breite. Purer Luxus.<\/p>\n<p><!--more-->Der Atari hat mich fast mein gesamtes Studium hindurch begleitet. Ich habe auch nicht wirklich etwas vermisst, die Maschine konnte alles, was ich ben\u00f6tigte, und dar\u00fcber hinaus sogar \u201eBallerburg\u201c oder \u201eBouncing Bubbles\u201c spielen. Sogar meine ersten Unix-Schritte ausserhalb der Uni\u00a0habe ich auf dieser Maschine gemacht &#8211; das ber\u00fchmte \u001e\u201eMinix\u201c von Andrew S. Tanenbaum. Trotzdem, Atari war in finanzieller Schieflage, nach dem Mega ST und dem TT kam nichts mehr auf den Markt, und nach und nach verdr\u00e4ngte der PC alles &#8211; auch in meiner Arbeitsgruppe an der Uni. Irgendwann war es dann soweit: 1994 bekam ich meinen ersten PC. Und war damals schon nicht gl\u00fccklich damit. Von der Rechenleistung war das eine echte Rakete &#8211; ein 486DX100, die schnellste CPU, die ich bis dahin je hatte. Aber DOS (damals Version 5) war einfach grauenhaft. Da war das gute alte CP\/M auf meinem Apple besser &#8211; \u00fcbrigens ein direkter Vorfahr von DOS, man muss sich nur die Funktionsnamen im Betriebssystem mal genauer anschauen. Das wurde auch nicht besser, als ich es mit dem damals gerade neuen Windows 3.1 versucht habe. Die meiste Zeit verbrachte man damit, etwas unter Windows ans Laufen zu bekommen oder in der config.sys herumzufummeln und mit HIMEM-Bl\u00f6cken zu jonglieren. Zum Gl\u00fcck gab es etwas neues&#8230; LINUX!<\/p>\n<p>Aber auch Linux war seinerzeit nicht wirklich ein Spa\u00df. Meine erste Distribution (Slackware 0.9) kam auf sage und schreibe 54 (!) 5\u00a0\u00bc&#8220;-Disketten. Da hat die Installation tats\u00e4chlich einen ganzen Tag gekostet. Und schlie\u00dflich musste man danach ja noch den Kernel kompilieren, Kernelmodule waren da noch unbekannt. Da hatte man sich schon mal ein Wochenende Zeit nehmen m\u00fcssen, sehr zum \u00c4rger der ein oder anderen Freundin. \ud83d\ude42 Gelernt hat man da allerdings ne Menge, davon zehre ich heute noch.<\/p>\n<p><a class=\"boxersandswipers\" title=\"os24_winlist\" href=\"https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os24_winlist.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-68\" title=\"os24_winlist\" src=\"https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os24_winlist-300x225.gif\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os24_winlist-300x225.gif 300w, https:\/\/www.leinders.de\/harald\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os24_winlist.gif 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a>Als Desktop war Linux damals aber noch Lichtjahre von \u201eAnwenderfreundlich\u201c entfernt &#8211; X11 musste noch zu Fu\u00df konfiguriert werden, Fonts klappten nie auf Anhieb, und irgendwelche Sound-Devices ans Laufen zu bekommen, davon wollen wir erst gar nicht reden.\u00a0Besser wurde die Situation erst, als ich beschlossen habe, doch mal was anderes auszuprobieren &#8211; <strong>OS\/2<\/strong>! Ich glaube bis heute, dass das eines der besten Betriebssysteme war, welches ich je benutzt habe. Streng objektorientiert, sauber in den Schnittstellen und wirklich stabil. Dieses System habe ich benutzt, bis es von IBM eingestampft wurde (mit Warp4), sehr zu meinem Leidwesen. Der IBM VisualAge C\/C++-Compiler war die gelungenste Entwicklungsumgebung, an der ich jemals gesessen habe, das gilt bis heute. Schade.<\/p>\n<p>Heute sitze ich wieder an einem Apple &#8211; back to the roots. Ich genie\u00dfe es sehr, dass ich mich um meinen Rechner nicht gro\u00dfartig k\u00fcmmern muss, er funktioniert einfach. Ich muss mir keine Zeitschriften kaufen, in denen lange Artikel beschreiben, wie man die gr\u00f6bsten Fehler von Betriebssystem XY (f\u00e4ngt mit W an) umgeht und trotzdem ansatzweise arbeiten kann. Ich muss nicht dauernd neue Treiber installieren oder Komponenten tauschen. Er l\u00e4uft einfach. Mittlerweile ist es auch der 4. Mac nach der PC-\u00c4ra, nach einem G3, einem G4, einem G4-Dual arbeite ich jetzt mit einem iMac (Intel). Die meisten Dinge gehen \u201eeinfach so\u201c, die goldene Regel ist: Wenn ich mit der Maus was von A nach B ziehen kann, dann passiert damit auch was sinnvolles. Ich kann auch die Meinung der Leute nicht teilen, die sich permanent vom Betriebssystem geg\u00e4ngelt f\u00fchlen, weil systemkritische Bereiche der Festplatte z.B. im Finder ausgeblendet sind. Dies ist einer der Gr\u00fcnde, warum das System so stabil ist, indem man eben nicht jeden \u00fcberall herumfuhrwerken l\u00e4sst. Au\u00dferdem darf man in der Shell nach wie vor alles &#8211; auch alles kaputt machen. Die Tatsache, dass man aber erst etwas tun muss (z.B. die Shell finden), regt das Nachdenken dar\u00fcber an, ob man wirklich wei\u00df, was man tut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mich einen gro\u00dfen Teil meines Lebens mit Rechnern besch\u00e4ftigt, und das nach meinem Studium dann folgerichtig auch zu meinem Beruf gemacht. Wichtig ist dabei, dass mir dies auch immer noch Spa\u00df macht. Ich bin der festen \u00dcberzeugung, dass Computer von ihrer charakterlichen Grundausrichtung her schlichtweg \u201ezickig\u201c sind. 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